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Neulich in einem Business Portal

» erstellt am 2012-06-17 von Rankers
Ich bin seit geraumer Zeit in einem sogenannten Business Portal aktiv, d.h. ich habe ein Profil und knüpfe Kontakte zu alten Bekannten und neuen Leuten. Nun stellt dieses Portal nicht ohne Selbstzweck die Möglichkeit für Personalberatungen zur Verfügung, sich auf die Suche nach potentiellen Kandidaten zu machen, was mich letztendlich dazu veranlasste eine offene Nachricht an diese zu schreiben ... mit geteiltem Feedback. Eine "Perle" dieses Feedback und die dazugehörige Konversation möchte ich gerne mit Euch teilen ...


Ich habe schon mehrfach Feedback zu meinem "Über mich" Text auf dieser Plattform erhalten. Jeweils positives bis auf das Nachfolgende ...

Ein Personalberater:
Hallo Herr Rankers,

falls es Ihnen noch nicht aufgefallen ist: XING ist ein Business-Portal, bei dem es zu einem nicht geringen Teil um Jobs geht. Wenn Sie das stört, sollten Sie Ihr Profil einfach löschen. Damit könnten Sie sich die Zeit sparen, die Sie für das Verfassen umständlicher und unfreundlicher Texte aufwenden.

Beste Grüße

(Name anonymisiert)


Meine Antwort:
Sehr geehrter Herr (Name anonymisiert),

ich danke Ihnen herzlich für Ihren sicherlich nett gemeinten Ratschlag, dass ich meine kostbare Zeit anderweitig nutzen sollte, als, wie Sie es finden, "umständliche und unfreundliche" Texte zu schreiben.

Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass ich persönlich Ihre Ansicht in mehreren Punkten nicht teile. Sollten Sie an meinen diesbzgl. Ausführungen interessiert sein, lesen Sie einfach weiter, ansonsten empfehle ich Ihnen, diese Nachricht zu löschen. Ich möchte nicht dafür verantwortlich sein, dass Ihre kostbare Zeit verschwendet wird.

Ihre Feststellung, dass Xing ein Business-Portal ist, unterstütze ich vollkommen. Sie können davon ausgehen, dass ich die unterschiedlichen Beweggründe, warum sich jemand bei xing anmeldet, kenne. Einer davon umfasst auch die Möglichkeit, neue Herausforderungen bei anderen Arbeitgebern angeboten zu bekommen und auch zu finden, was ich für sehr wertvoll erachte. Ich möchte Sie allerdings darauf hinweisen, dass dies nicht das ausschließliche Argument für den xing Konsumenten ist, um bei xing angemeldet zu sein (ansonsten wäre es ja ggf. austauschbar mit Internetangeboten wie monster.de o.ä.). Xing selber benennt diese Gründe und ermöglicht es jedem individuell, dem Profilbesucher kenntlich zu machen, warum man sich bei xing registriert und welche Intention man hat. Ich zitiere diese nachfolgend und verweise darauf, dass der von Ihnen vorgetragene ("An Karrierechancen interessiert") einer von insgesamt 7 Gründen ist; das natürlich nur der letztgenannte auch für xing unternehmerisch im Vordergrund steht, ist in erster Linie das Problem von xing und den ausschließlich auf diese Komponente ausgerichteten Geschäftsleuten.

  • Neugeschäft und Aufträge generieren

  • Neue Mitarbeiter finden

  • Interessante Personen kennenlernen

  • Mein Netzwerk pflegen

  • An Events teilnehmen

  • Alte Bekannte und Kollegen wiederfinden

  • An Karrierechancen interessiert


  • Nun zu Ihrer Einschätzung, dass ich meine Zeit damit verschwendet habe, einen "unfreundlichen und umständlichen" Text zu verfassen. Ihre Einschätzung gibt mir keinen Anlass, die formulierten Inhalte zu rechtfertigen, da dies Ihre - Ihnen zustehende - persönliche Meinung darstellt. Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass ich nicht nur Zeit gespart habe, sondern auch mein persönliches Wohlbefinden verbessert habe; wenn auch marginal, weil diese Thematik zum Glück nicht das wichtigste ist, was zum persönlichen Wohlbefinden beiträgt. Dies ist natürlich erklärungsbedürftig.

    Zum zeitlichen Aspekt versuche ich den Sachverhalt mit einer kleinen Beispielrechnung zu verdeutlichen. Es hat mich einen einmaligen Aufwand von ca. 15 Minuten gekostet, den von Ihnen kritisierten Text zu verfassen. Zu dieser Zeit habe ich im Schnitt 2 Stellenangebote/ Woche erhalten. Dadurch, dass ich idR ein sehr höflicher Mensch bin, möchte ich dieses Ersuchen nicht unbeantwortet lassen. Ein Antwortschreiben habe ich dank "interner Prozessoptimierung" in einer Minute verfasst, allerdings nimmt das bereits in meinem Text dargelegte "als Spam melden" auch noch mal ca. eine Minute ein. Dies macht pro Stellenangebot ca. 2 Minuten. Bei 2 Stellenangeboten/ Woche sind dies 16 Minuten/ Monat. D.h., dass ich meinen anfänglichen Invest iHv 15 Minuten bereits binnen einen Monats amortisiert habe.

    Zu dieser von Schätzwerten ausgehenden Rechnung kommt der o.g. Umstand hinzu, dass ich gerne, wenn ich angeschrieben werde, hierauf antworte (so wie ich es natürlich auch mit Ihrer Mail mache). Dieses Maß der Höflichkeit gebietet mir meine Erziehung. Nun finde ich es allerdings auch in gewisser Art und Weise unangenehm, mir Zeit für jemanden zu nehmen, der/ die dies offensichtlich seinerseits nicht gemacht hat. Dies wird mir deutlich durch die in meinem Text angesprochenen unspezifischen Schreiben und die dargebotene Ignoranz meiner konkreten Wunschäußerungen. Dieser Punkt ist das o.a. Unbehagen, auch wenn dies natürlich nicht nachhaltig zu einer Verschlechterung meiner Laune beiträgt, aber es ist latent vorhanden. Dies muss nach meinem persönlichen Empfinden nicht sein, wenn sich alle Beteiligten an eine Spielregel halten: Respekt. Diesen streite ich allerdings jemanden ab, der meinen expliziten Wunsch ignoriert und durch Standardschreiben ad absurdum führt.



    Etwas zynisch und durchaus auch arrogant möchte ich gegen Ende meiner Ausführungen dennoch feststellen, dass ich in wesentlichen Teilen dem von Ihnen gesuchten Profil entspreche (gemessen an der Häufigkeit Ihrer Profilbesuche). Wenn ich nun versuche mich in Ihre Lage zu versetzen, so führt dies bei mir zu einem gewissen Grad an Verständnis Ihres Ärgernisses. Es wäre auch für mich in meiner täglichen Arbeit frustrierend, auf Profile zu stoßen, die den gewünschten Anforderungen entsprechen, allerdings keine Stellenangebote wünschen. Besonders ärgerlich wird es zudem, wenn diese genannten Profile dann einige Schafe meiner Berufsgruppe ein bisschen "auf's Korn nehmen" und offen kritisieren.

    M.E. habe ich nun zwei Optionen. Ich fühle mich angesprochen oder ich schmunzel hierüber, weil ich mir darüber bewusst bin, dass die im Text genannten unseriösen Anbieter tatsächlich existieren, nur ich selber mich nicht hierzu zähle. Nur Sie selber werden abschließend beurteilen können, welche Einstellung Sie hierzu haben. Ich selber hätte bisher unterstellt, dass Sie zur schmunzelnden Fraktion gehören (da Sie mir bisher nicht durch Schreiben dieser Art aufgefallen sind) ... Ihre persönliche Reaktion lässt leider anderes vermuten.


    Zu guter Letzt kann ich sagen, dass ich gerne etwas zurückgebe, wenn Menschen mich unterstützen. Ihre Mail greife ich hier auf, Sie haben mir einen Ratschlag gegeben, was ich nun erwidern möchte. Gerne lege ich noch ein paar mehr dazu, wenn manche auch wieder etwas zynisch angehaucht sind:

  • Fragen Sie Xing vielleicht mal, ob Sie die Mitglieder ausschließen können, die in den o.g. Optionen nicht angeführt haben, dass sie "An Karrierechancen interessiert" sind oder vielleicht könnte man diese Option ganz streichen.

  • Respektieren Sie die Wünsche Ihrer potentiellen Kunden und treten Sie ihnen weiterhin respektvoll gegenüber (ich würde meinen Kunden gegenüber auch immer respektvoll handeln)

  • Und letztendlich: Nehmen Sie nicht alles so ernst und versuchen Sie auch im professionellen Leben etwas mehr Ihren Humor hervorzubringen. Ich bin überzeugt, dass Sie Humor haben und glauben Sie mir, in meiner beruflichen Laufbahn hat es sicherlich geholfen und ist in Teilen unabdingbar geworden.


  • Mit freundlichen Grüßen

    Sascha Rankers

    P.S.: Bitte sehen Sie mir nach, dass ich mir erlaube diese Kommunikation - natürlich anonymisiert - zu veröffentlichen.


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